Das Brückenmonster

09.02.2018

Ich bin bekannt für meine Eigenarten was Brücken angeht. Brücken sind für mich der Horror, egal ob lang oder kurz, ob breit oder eng, oder wie hoch... Ich kann damit nicht umgehen. Wenn ich mit der Bahn zu meiner besten Freundin fahre muss ich allerdings über eine wirklich lange Brücke. Sie ist sehr breit und wackelt EIGENTLICH kein bisschen. Was ebenfalls leicht angst einflößend ist, ist die Schnellstraße unter der Brücke, sowie die Bahn, die unter ihr durch fährt. Allein der Lärm von den rasenden Autos macht mich schon wahnsinnig, also immer Stöpsel ins Ohr und Musik ganz laut. Während die Leute schon sieben Mal über die Brücke gelaufen wären da starte ich erstmal mit Atemübungen. Drei Mal tief ein- und ausatmen. Natürlich die Augen dabei geschlossen. Ich öffne meine Augen, schaue dem Monster direkt in die .... Schaue die Brücke böse an und mache einen Schritt auf sie zu. Dann fängt sie irgendwie immer an zu wackeln. Das muss mein böser Blick sein, der sie verunsichert. Auf jeden Fall starte ich dann mit drei langsamen Schritten und gefühlten fünfzigtausend schnellen, also beende ich das ganze mit einem beneidenswerten Sprint. Problem letztes Mal war, ich hatte meine Handtasche, eine große Reisetasche und einen Stoffbeutel dabei. Also komplett voll gepackt. Ich atmete erstmal wieder mein Ritual, wird übrigens von den meisten die an mir vorbei laufen belächelt, aber das ist mir egal. Setzte meine drei Schritte und begann zu sprinten. Mit gefühlten 120 Kilo Gepäck jedoch nicht so schnell wie sonst. Die Brücke hatte noch nie so gewackelt, ich lief gefühlt die doppelte Strecke, in einem Schneckentempo. Ich beanspruchte also die ganze Brücke für mich und rannte im Zick-Zack Style Richtung Ende. Nicht weit vom Ende weg ließ meine Kraft in den Armen ziemlich schnell nach, weswegen mein Stoffbeutel sich zwischen meine Beine schwenkte. Ich stolperte und durch das Gewicht meiner Reisetasche flog ich die letzten Meter schreiend zum Ende der Brücke. Ich lag mit meinen ganzen Sachen flach auf dem Boden. Als ich langsam nach oben schaute, stand dort ein großer Mann in Bauarbeiter Klamotte vor mir. Ich nahm mühsam die Stöpsel aus dem Ohr, um ihn zu verstehen. "Alles in Ordnung junge Dame?" Ich grinste ihn an, versuchte auf zu stehen, da kam ein weiterer Bauarbeiter und beide halfen mir auf. Dann sah ich eine kleine Baustelle am Ende der Brücke, daher mussten sie gekommen sein. Nachdem ich mich wieder gesammelt hatte wurde mir bewusst... ICH HABE ES ÜBER DIE BRÜCKE GESCHAFFT. Verschwitzt, mit Wunden an der Hand tanzte ich im Kreis und freute mich wie ein kleiner König. "ICH HABS GESCHAFFT!" schrie ich die Bauarbeiter an. Ihr besorgter Blick veränderte sich in einen "Was hat die Alte?" - Blick. War mir egal, ich bedankte mich und ging kaputt aber glücklich zu meiner Freundin.