Mein Kopf steckte in einer Kiste

21.05.2018

"Mama ich glaube wir müssen doch in die Notaufnahme." sagte ich leicht benommen. Es war mittlerweile ziemlich spät abends, aber eigentlich ging es mir den ganzen Abend nicht schlecht, doch auf ein mal wurde mir übel und schwindelig. Meine Mutter holte direkt den Autoschlüssel und wir fuhren in die Klinik. Nachdem wir aufgenommen wurden saßen wir natürlich erst mal zwei Stunden in denen nichts passierte im Warteraum. Beziehungsweise es passierte doch eine Menge. Zum einen kamen drei betrunkene Männer rein gestürmt, der eine hatte die Hälfte eines Flaschenhalses in seinem Fuß stecken. Es blutete und blutete und er lief einfach komplett verwirrt im Warteraum rum, doch Hilfe kam schnell. Kurz darauf verlor ein Mann neben mir sein Bewusstsein. Zwei Krankenschwestern rannten auf ihn zu, seine Partnerin sagte: "Ich glaube sie haben uns vergessen! Wir warten schon fünf Stunden und mein Mann hat sich den Arm gebrochen!" Die Krankenschwestern kümmerten sich direkt um ihn. "Mama, ich will hier weg!" flüsterte ich. "Mir geht's gar nicht mehr so schlecht." "Wir bleiben jetzt hier, warte kurz." Dann ging sie an die Anmeldung und ich weiß nicht, was sie gesagt hatte, aber wir kamen nach 10 Minuten dran. Ich wurde in einen kleinen Raum gebracht und musste dort nicht lange warten, denn ein kleiner Mann, er erinnerte mich an einen Zwerg ohne Mütze, setzte sich vor mich und fing an an meinem Hals rum zu drücken. "Tut des weh? Un des? Un des?" langsam wurde mir von der vielen Drückerei übel. "Wie isch n des bassiert?" fragte er. "Im Schauspielunterricht hatten wir Improvisation und ich habe mich in eine Holzkiste gelehnt, dann hat mich mein Schauspiel-Kollege an der Hüfte gepackt und hat gezogen. Mein Reflex hat mich dann dazu gebracht, mich an der Kiste fest zu halten, was denn Holzdeckel dazu brachte runter zu klappen. Und dann bin ich mit dem Kopf in der Kiste gesteckt." Er schaute mich an, als würde ich ihn verarschen. "Das ist die Wahrheit." gab ich auf seinen stummen Blick zurück. Er kicherte. "Wirklich witzig" dachte ich mir nur. Dann kam ein großer Mann mit weißem Kittel in den Raum. Ich war verwirrt, ich dachte der kleiner Zwerg mit Brille wäre der Arzt. Der kleine Mann setzte sich still in eine Ecke. Verwirrt ließ ich mich wieder auf eine Halswirbelsäulen-Drückerei ein. "Wir machen ein Röntgen." Ok, das kannte ich ja. Kurz darauf saß ich im Röntgen. "Jetzt bleiben Sie ganz ruhig sitzen." sagte ein junger Mann zu mir. Ich hielt die Luft an. "Die Bilder sind verschwommen, wir müssen das nochmal machen." Also nochmal Luft anhalten. "Also ich weiß nicht, wieso Sie sich immer bewegen, aber wir haben es etwas eilig." "Ich bewege mich doch überhaupt nicht!" motzte ich ihn an. "Können Sie sich mal gerade hinsetzten?" "ICH SITZE GERADE" gab ich zurück. Sprachlos öffnete er die Tür des Röntgenraumes und deutete mir, dass ich gehen könnte. Ein paar Minuten später kam der Arzt zu mir und meinte es sei ein Schleudertrauma und ein geprellter Halswirbel, sowie eine Muskelzerrung. Er gab mir Ibuprofen. Das wars. Vier Stunden Notaufnahme für Ibuprofen. Kann man mal machen, oder?