Oma, bist dus?

08.02.2018

Ich stehe vor dem Haus und warte darauf, dass meine beste Freundin mich abholt. Es ist eiskalt und dunkel. Dennoch genieße ich die kalte Winterluft und atme sie tief ein, danach kuschle ich mich in meinen dicken Schal. Irgendwie habe ich das Gefühl beobachtet zu werden. Ich schaue mich um, sehe jedoch niemanden. Die ganze Straße ist wie leer gefegt. Ich drehe mich um, es steht auch niemand hinter mir. Komisch. Nach einer Weile halte ich es nicht mehr aus und laufe rum. Wer beobachtet mich? Ich drehe mich um und mein Blick fällt auf ein Fenster im Erdgeschoss. Es strahlt ein gedämmtes Licht nach draußen und ein Schatten ist zu sehen. Ich erkenne eine Katze die auf dem Fensterbrett sitzt und mich anstarrt. Es hört sich vielleicht lächerlich an, aber ich spüre ihren Blick. Ich kann nicht anders als sie ebenfalls anstarren. Ich gehe etwas näher zum Fenster, die Katze lässt mich nicht aus den Augen, bewegt sich aber auch nicht. Ich stehe nun noch ein gutes Stück entfernt, aber auch ein gutes Stück näher dran. Die Katze hat Ausdauer. Ich lasse sie ebenfalls nicht aus den Augen. Manche Menschen glauben ja an die Wiedergeburt. In genau diesem Moment denke ich daran. Ist es vielleicht jemand, den ich mal kannte? Ich denke an meine Uroma. Sie war ebenfalls so ein zartes süßes Wesen gewesen. Ich bilde mir ein, dass sie die Katze sein könnte. Ich grinse. Die Katze legt ihren Kopf schief. Nun muss ich wirklich lachen. Ich höre ein Auto kommen, meine beste Freundin ist da. Ich nicke der Katze zu, drehe mich während ich zum Auto laufe nochmals um, die Katze schaut immer noch. Im Auto angekommen begrüße ich meine beste Freundin und schnalle mich an. Ich schaue nochmals zur Katze, sie lässt mich nicht aus den Augen. Ich winke dezent und grinse als mich meine Freundin fragt "Mimi, alles ok? Wieso grinst du so?" Ich schüttle den Kopf. Während wir los fahren halte ich noch Blickkontakt mit der Katze bis wir um die Ecke biegen. Ich hab meine Uroma getroffen..